Gewerkschaftstage

Grußworte und Referenten zum Thematag der CGM am 16. Oktober 2009 in Köln

Dr. Bernhard Koch, CGB-Generalsekretär i.R., beleuchtete die 110 Jahre Geschichte der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Vor allem die profunde Darstellung der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, die Auseinandersetzungen um die sog. Einheitsgewerkschaft sowie die Wiedergründung eigenständiger christlicher Gewerkschaften konnte Dr. Koch durch eigenes Miterleben den Delegierten vermitteln. 

 

Die Frage der Neutralität der Gewerkschaften hat  an der breiten Kluft unterschiedlicher Weltanschauungen und tiefer politischer Meinungsverschiedenheiten im  vorletzten Jahrhundert als unüberbrückbar sich erwiesen. Im sozialistischen Lager gab es hinsichtlich der gewerkschaftlichen Organisationsstruktur mit der Gründung der „Internationalen Gewerkschaftsgenossenschaft“ auf Initiative von Karl Liebknecht und August Bebel keine Einigkeit. Für christliche Arbeiter war in den sozialistischen Gewerkschaftsgruppierungen kein zumutbarer Platz. Die internationale Gewerksgenossenschaft war marxistisch ausgerichtet und kam daher für die christlichen Arbeiter nicht in Betracht.

 

Franz Wieber, Gründer des Christlichen Metallarbeiterverbandes, formulierte den „gewerkschaftlichen Lebenslauf“ als ein Herauswachsen aus der Gedankenwelt der katholischen Arbeitervereinsbewegungen. Mit den ideellen und organisatorischen Keimzellen der Arbeitervereinen wurden die Christlichen Gewerkschaften so stark, dass sie ein Eigenleben führen konnten.

 

Der Mainzer Kongress, Pfingsten 1899, war der erste christliche Gewerkschaftskongress. Dem dann am 15.10.1899 die Gründung des Christlichen Metallarbeiterverbandes durch Franz Wieber in Duisburg folgte.

 

Die Gewerkschaften des DGB setzten sich im Bundestagswahlkampf 1953 verstärkt für die SPD ein und wurden immer radikaler. Im christlichen Lager – so Dr. Koch – wuchs der Wille zur Gründung- wiederum - eigener Gewerkschaften. Am 30.10.1955 wurde in Essen die Christliche Gewerkschaftsbewegung Deutschlands – CGD – unter Führung der Bundestagsabgeordneten Even und Winkelheide von der katholischen und Heinrich Voß von der Evangelischen Arbeiterbewegung gegründet. Am 27.06.1959 fand in Mainz der Gründungskongress des CGB statt. Der damalige Schritt von Männern und Frauen für einen eigenen, eigenverantwortlichen Gewerkschaftsweg erforderte Mut aus Überzeugungstreue. Was damals galt, so Dr. Koch, gilt erst recht für die heutige Herausforderung.