Maiaufruf der CGM: „Eine Frage der Gerechtigkeit“
30.04.2013 - Der Tag der Arbeit hat für die christliche Gewerkschaftsbewegung einen ganz besonderen Stellenwert. Alle Jahre wieder sieht sich auch die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Bedeutung des 1. Mais für die organisierte Arbeitnehmerschaft in Erinnerung zu rufen. „Im weitesten Sinne ist die Geschichte der Arbeitnehmerbewegung auch eine Geschichte des Kampfes um die Demokratie und den Sozialstaat“, stellt der CGM-Bundesvorsitzende Adalbert Ewen fest.
Martin Ocker in den ZF-Aufsichtsrat gewählt - CGM gratuliert zur Wiederwahl
12.04.2013 - Bei der Wahl des Aufsichtsrats der ZF Friedrichshafen AG im Graf-Zeppelin-Haus wurde Martin Ocker von der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) nach 2008 zum zweiten Mal in das Kontrollgremium von ZF gewählt. Ocker, Betriebsrat der ZF Lenksysteme GmbH in Schwäbisch Gmünd und Bezirksvorsitzender der CGM Ostwürttemberg, ist einer von sechs Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, dem er nun für mindestens weitere fünf Jahre angehört.
„Wir sind raus“ - Für die CGM endet die Tarifarbeit in der Zeitarbeitsbranche
28.03.2013 - Zum 31.03.2013 endet das Engagement der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) in der Zeitarbeit endgültig. „Alle Tariferträge sind gekündigt, wir sind raus“, verkündete der CGM-Bundesvorsitzende Adalbert Ewen kurz vor Antritt des Osterurlaubes.
CGM bei Aufsichtsratswahlen am Bodensee erfolgreich: Franz Benz und Andreas Bemerl in den Aufsichtsräten von Engine Holding, MTU und Tognum vertreten
13.03.2013 - Bei den Aufsichtsratswahlen der Engine Holding GmbH, der MTU Friedrichshafen GmbH und der Tognum AG ist nicht nur die relativ hohe Wahlbeteiligung von 58 Prozent erfreulich, sondern vor allem der Erfolg von Franz Benz, Vorsitzender des CGM-Bezirksverbandes Friedrichshafen/Ravensburg und seit vielen Jahren Betriebsrat bei MTU, sowie Andreas Bemerl, auch Mitglied im CGM-Bezirksvorstand und langjähriger Betriebsrat bei Tognum.
CGM fordert soziale Komponente - Große Tarifkommission formuliert Tarifforderungen
07.03.2013 - Die Große Tarifkommission der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) spricht sich dafür aus, in der anstehenden Tarifrunde eine soziale Komponente bei den Entgelterhöhungen einzubauen. „Die steigenden Lebenshaltungskosten, vor allem bei den Mieten und Energiekosten, belasten die unteren Einkommen überproportional. Deshalb setzen wir uns in dieser Tarifrunde für eine Entgelterhöhung mit einer sozialen Komponente ein“, formuliert der CGM-Bundesvorsitzende Adalbert Ewen die Forderung der Großen Tarifkommission der CGM.
S T E L L U N G N A H M E
27.02.2013 - Adalbert Ewen, Bundesvorsitzender der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) und Bundesvorstandsmitglied des Christlichen Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB), nimmt Stellung zum Artikel „Mieses Geschäft mit Werkverträgen“, veröffentlicht am 26.02.2012 auf Spiegel Online:Thema des Monats
Berichterstattung rund um den Tag der Arbeit 2013
CGM-Maiaufruf 2013
Eine Frage der Gerechtigkeit
Der Tag der Arbeit hat für die christliche Gewerkschaftsbewegung einen ganz besonderen Stellenwert. Alle Jahre wieder sieht sich auch die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Bedeutung des 1. Mais für die organisierte Arbeitnehmerschaft in Erinnerung zu rufen.
Für die einen eine schöne Gelegenheit, einen arbeitsfreien Tag mit Familie, Freunden und Weggefährten zu genießen, ist der Tag der Arbeit für die anderen ein Statement, eine gesellschaftliche Verpflichtung, eine Erinnerung an die geleisteten Dienste im Kampf um die Rechte, die Wahrung und Durchsetzung der Interessen, für soziale Gerechtigkeit und Freiheit für Arbeitnehmer. Im weitesten Sinne ist die Geschichte der Arbeitnehmerbewegung auch eine Geschichte um den Kampf um Demokratie und den Sozialstaat. Die Geschichte des Sozialstaates ist nicht nur eine Geschichte der Politik, es ist ebenfalls die Geschichte und der Verdienst der Gewerkschaften, nicht zuletzt der Christlichen Gewerkschaftsbewegung im 19. Jahrhundert, die sich für die Rechte und Interessen der Arbeitnehmer in diesem Land stark gemacht haben. Otto von Bismarck führte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Sozialgesetze ein, die eine Kranken- Unfall- sowie eine Alters- und Invalidenversicherung umfassten. Die Bürger in diesem Land können sich heute, auch im Vergleich zu anderen Staaten, über eine gute soziale Absicherung freuen. Der soziale Gedanke ist es auch, auf dem unser Staatssystem basiert und in Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“, festgeschrieben ist.
Es ist dieser soziale Gedanke, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit, die die CGM an diesem Tag der Arbeit besonders in den Fokus stellen möchte. Ein Thema das in der aktuellen Diskussion in unserem Land einen neuen Höhepunkt erreicht, wie aktuelle Umfragen offenbaren. Die Deutschen haben das Gefühl, dass die soziale Gerechtigkeit in Deutschland ins Ungleichgewicht geraten ist. Einen entscheidenden Teil zu dieser Auffassung der großen Masse haben u.a. sicher auch die aktuellen Debatten um Steuerflucht und um überzogene Manager-Boni beigetragen. Das eigentliche Problem ist, dass die Gehaltsstrukturen von Managern für die Belegschaft und die Mehrzahl der Bevölkerung weder transparent noch nachvollziehbar sind. Eine identifizierbare Leistung sollte eine angemessene Entlohnung nach sich ziehen. Steht der Entlohnung jedoch keine Gegenleistung entgegen, zum Beispiel beim Abgang oder Weggang von Managern, ist das aus Sicht der Bürger nicht gerechtfertigt und führt zu allgemeinem Unmut. Die Wiedereinführung eines gerechten Leistungsprinzips ist eine wichtige Grundlage, um das Gerechtigkeitsempfinden in diesem Land wiederherzustellen.
Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit greift jedoch weiter. Es ist nicht nur eine Frage von haben oder nicht haben. Es ist eine Frage der Wirtschaft, genauso wie des Arbeitsmarktes und des Bildungsressorts. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit muss in viele verschiedene Richtungen gestellt werden, in verschiedene Richtungen gedacht werden. Wir Menschen sind nicht alle gleich. Wir besitzen unterschiedliche Fähigkeiten und Talente und unterschiedliche Lebensbedingungen zeichnen unseren Lebensstandard aus. Daher müssen auch die unterschiedlichen Bedürfnisse bei dieser Fragestellung bedacht werden. Die CGM beruft sich auf die christliche Soziallehre und stellt den einzelnen Menschen und seine Sorgen und Nöte in den Mittelpunkt. In über 100 Jahren Gewerkschaftsarbeit ist es elementar wichtig, sich immer wieder neu auf die aktuellen Realitäten und die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzustellen. Der Tenor ist derselbe, aber die Zeiten haben sich natürlich in Jahrhunderten, Jahrzehnten und Jahren erheblich verändert. Die neue Schnelllebigkeit und der Wandel in der Arbeitswelt ist eine neue Herausforderung. Der Arbeitsplatz hat einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen. Es geht heute nicht nur um den Verdienst, sondern auch die berufliche Selbstverwirklichung spielt eine große Rolle. Viele Arbeitnehmer definieren sich über ihre Tätigkeit, das ist Antrieb um das perfekte Arbeitsverhältnis zu suchen, das individuell zu den eigenen Bedürfnissen passt. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf haben sich im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten verändert. Wo es früher möglich war, sich durch Leistung und über Berufserfahrung für eine höhere Position zu qualifizieren, entscheidet heute ein Bildungsabschluss. Das Bildungsniveau ist grundsätzlich gestiegen. Doch Chancengleichheit ist und bleibt nun einmal illusorisch. Vielmehr sollte die Chancengerechtigkeit Grundlage des Handelns sein. Der Zugang zu Bildung muss gewährleistet sein und es muss eine individuelle Förderung für den Einzelnen und seine Fähigkeiten geben. An oberster Stelle steht für den Arbeitnehmer jedoch nach wie vor, von seiner Hände Arbeit leben zu können. Das gilt sowohl für die Arbeitszeit, als auch für die Zeit danach: die Rente.
Im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel plädiert die CGM an die soziale Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern. Denn soziale Gerechtigkeit beginnt in den Unternehmen, dort wo versucht wird, eine Chancengerechtigkeit zu schaffen. Ganz am Anfang des Weges über die Ausbildung, über Weiterbildung, über Qualifizierung. Sie beginnt dort, wo Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern Thema wird, wo eine Basis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen und in eine betriebliche Altersvorsorge investiert wird. Nach der christlichen Soziallehre, der sich die CGM verpflichtet fühlt, trägt jeder einzelne Verantwortung für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben. Es sind Begriffe wie Personalität, Solidarität und Subsidiarität, die in diesem Zusammenhang ein verantwortungsvolles Miteinander erst möglich machen und im Arbeitsalltag täglich von uns gefordert sind. Jeder einzelne und wir alle zusammen haben es in der Hand, eine Gesellschaft, ein Zusammenleben, ein gutes Miteinander im Kleinen wie im Großen zu gestalten.
CGB-Maiaufruf 2013
Gewerkschaftsrecht ist Menschenrecht
Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit, der Tag der Gewerkschaften und der Tag der Gewerkschaftsbewegung selbst. Selten waren die Zeiten, in denen wir leben, so unsicher wie heute. Auch wenn wir, zumindest in Deutschland, die Auswirkungen der Finanzkrisen in den europäischen Ländern bisher privat kaum bemerken, so spüren wir doch, dass sich unsere Arbeitswelt verändert und weiter entwickelt.
Der Druck der Wirtschaftskrisen lässt uns ahnen, dass die Veränderungen und Entwicklungen nicht unbedingt zum Vorteil der Beschäftigten sein müssen. Es wird vielmehr immer deutlicher, dass die Sanierung der Volkswirtswirtschaften zu Lasten der Beschäftigten geschehen soll. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsbedingungen der Menschen, sondern um alle Lebensumstände bis hin zu Spareinlagen und Altersvorsorge. Es kann aber nicht sein, dass wir, die Beschäftigten, allein die Rechnung begleichen, die uns verfehlte Politik und offensichtliche Misswirtschaft präsentiert haben und die eigentlichen Verantwortlichen so weiter machen, als wäre nichts passiert. Der 1. Mai erinnert uns daran, dass es die Gewerkschaften und vor allem auch die christlichen Gewerkschaften waren und selbstverständlich auch heute noch sind, die für die Rechte der Beschäftigten eintreten. Der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Willkür und Ungerechtigkeit steht für uns an erster Stelle. Dafür stehen wir, dafür treten wir ein. Es ist unsere wichtigste, aber auch verantwortungsvollste Aufgabe, für alle Beschäftigten angemessene Lebensumstände im Arbeitsleben als auch angemessene Lebensumstände im Alter zu verwirklichen.
Dass Gewerkschaften dies ohne Repressalien tun können, ist längst nicht selbstverständlich. Noch immer gibt es Länder, die - auch mit rigider Gewalt - verhindern, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich zusammenschließen und für ihre Rechte und ihre Lebensumstände eintreten. Menschen, die dies dennoch tun, haben massive Nachteile in ihrem Beruf und riskieren oft genug auch Leben und Gesundheit für ihre Überzeugung. Und weil das in vielen Ländern immer noch so ist, ist das Recht, freie Gewerkschaften zu gründen und sich – auch gegen die Staatsgewalt - für die Arbeitsbedingungen der Menschen einzusetzen, auch ein Menschenrecht. Aber auch hier im demokratischen Deutschland ist das Recht, eine freie und unabhängige Gewerkschaft zu gründen, in Gefahr. Selbstverständlich nicht für Leib und Leben derer, die das tun, aber nach wie vor bedeutet offenes und unerschrockenes Eintreten für den Gewerkschaftsgedanken massive Nachteile im Arbeitsleben. Hinzu kommen die Politik und die Justiz, die neue aber auch alteingesessene Gewerkschaften danach bewerten, ob sie in das so lieb gewonnene Konzept der Einheitsgewerkschaft passen.
Die Politik in Deutschland versucht seit Jahren sich eine überschaubare und kalkulierbar bequeme Gewerkschaftslandschaft zu schaffen, die der Wirtschaft nicht schadet und regelmäßig ohne größere Kollateralschäden die Lohn- und Gehaltsrunden – möglichst für alle Beschäftigten – über die Bühne bringt. Die Justiz unterstützt dies mit dem Dogma der Tarifmächtigkeit, indem für neue, junge oder einfach nur kleinere Gewerkschaften gerichtlich Voraussetzungen geschaffen werden, die auch die großen kaum noch überwinden würden, wenn sie denn jemals überprüft würden. Zum Erhalt dieses Systems wird die Tarifmächtigkeit bei den großen Organisationen lapidar und ungeprüft als unzweifelhaft gegeben vorausgesetzt.
Kleine, aber schlagkräftige Organisationen, die spezifische Interessen vertreten, werden nicht nur misstrauisch beobachtet, sondern gelten plötzlich als die Spalter der Arbeitnehmerbewegung. Dabei bringen diese Gewerkschaften nur ein System durcheinander, dass es sich über die Jahre zu bequem gemacht hat. Und diese Bequemlichkeit bezahlen wir als Gewerkschaften mit einer steigenden Gewerkschaftsmüdigkeit und sinkenden Mitgliederzahlen. Gerade wir als Gewerkschaften dürfen es uns aber nicht zu bequem machen. Toleranz und Pluralismus, Gewerkschaftsfreiheit und Gewerkschaftsrecht sind Teil der Menschenrechte, für die wir eintreten. Der Tag der Arbeit erinnert uns daran, auch gegen den Strom zu schwimmen und auch die Dinge anzugehen, die nicht gerne gesehen werden. Er fordert uns auf, auch die Dinge zu sagen, die nicht gerne gehört werden. Das zu tun, was wir im Sinne der Beschäftigten für richtig halten, ist gelebtes Menschenrecht. Und das lassen wir uns von niemandem streitig machen. Packen wir es gemeinsam an!
CGM-Maiaufruf 2013
Eine Frage der Gerechtigkeit
Der Tag der Arbeit hat für die christliche Gewerkschaftsbewegung einen ganz besonderen Stellenwert. Alle Jahre wieder sieht sich auch die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Bedeutung des 1. Mais für die organisierte Arbeitnehmerschaft in Erinnerung zu rufen.
Für die einen eine schöne Gelegenheit, einen arbeitsfreien Tag mit Familie, Freunden und Weggefährten zu genießen, ist der Tag der Arbeit für die anderen ein Statement, eine gesellschaftliche Verpflichtung, eine Erinnerung an die geleisteten Dienste im Kampf um die Rechte, die Wahrung und Durchsetzung der Interessen, für soziale Gerechtigkeit und Freiheit für Arbeitnehmer. Im weitesten Sinne ist die Geschichte der Arbeitnehmerbewegung auch eine Geschichte um den Kampf um Demokratie und den Sozialstaat. Die Geschichte des Sozialstaates ist nicht nur eine Geschichte der Politik, es ist ebenfalls die Geschichte und der Verdienst der Gewerkschaften, nicht zuletzt der Christlichen Gewerkschaftsbewegung im 19. Jahrhundert, die sich für die Rechte und Interessen der Arbeitnehmer in diesem Land stark gemacht haben. Otto von Bismarck führte Ende des 19. Jahrhunderts erstmals Sozialgesetze ein, die eine Kranken- Unfall- sowie eine Alters- und Invalidenversicherung umfassten. Die Bürger in diesem Land können sich heute, auch im Vergleich zu anderen Staaten, über eine gute soziale Absicherung freuen. Der soziale Gedanke ist es auch, auf dem unser Staatssystem basiert und in Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“, festgeschrieben ist.
Es ist dieser soziale Gedanke, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit, die die CGM an diesem Tag der Arbeit besonders in den Fokus stellen möchte. Ein Thema das in der aktuellen Diskussion in unserem Land einen neuen Höhepunkt erreicht, wie aktuelle Umfragen offenbaren. Die Deutschen haben das Gefühl, dass die soziale Gerechtigkeit in Deutschland ins Ungleichgewicht geraten ist. Einen entscheidenden Teil zu dieser Auffassung der großen Masse haben u.a. sicher auch die aktuellen Debatten um Steuerflucht und um überzogene Manager-Boni beigetragen. Das eigentliche Problem ist, dass die Gehaltsstrukturen von Managern für die Belegschaft und die Mehrzahl der Bevölkerung weder transparent noch nachvollziehbar sind. Eine identifizierbare Leistung sollte eine angemessene Entlohnung nach sich ziehen. Steht der Entlohnung jedoch keine Gegenleistung entgegen, zum Beispiel beim Abgang oder Weggang von Managern, ist das aus Sicht der Bürger nicht gerechtfertigt und führt zu allgemeinem Unmut. Die Wiedereinführung eines gerechten Leistungsprinzips ist eine wichtige Grundlage, um das Gerechtigkeitsempfinden in diesem Land wiederherzustellen.
Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit greift jedoch weiter. Es ist nicht nur eine Frage von haben oder nicht haben. Es ist eine Frage der Wirtschaft, genauso wie des Arbeitsmarktes und des Bildungsressorts. Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit muss in viele verschiedene Richtungen gestellt werden, in verschiedene Richtungen gedacht werden. Wir Menschen sind nicht alle gleich. Wir besitzen unterschiedliche Fähigkeiten und Talente und unterschiedliche Lebensbedingungen zeichnen unseren Lebensstandard aus. Daher müssen auch die unterschiedlichen Bedürfnisse bei dieser Fragestellung bedacht werden. Die CGM beruft sich auf die christliche Soziallehre und stellt den einzelnen Menschen und seine Sorgen und Nöte in den Mittelpunkt. In über 100 Jahren Gewerkschaftsarbeit ist es elementar wichtig, sich immer wieder neu auf die aktuellen Realitäten und die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzustellen. Der Tenor ist derselbe, aber die Zeiten haben sich natürlich in Jahrhunderten, Jahrzehnten und Jahren erheblich verändert. Die neue Schnelllebigkeit und der Wandel in der Arbeitswelt ist eine neue Herausforderung. Der Arbeitsplatz hat einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen. Es geht heute nicht nur um den Verdienst, sondern auch die berufliche Selbstverwirklichung spielt eine große Rolle. Viele Arbeitnehmer definieren sich über ihre Tätigkeit, das ist Antrieb um das perfekte Arbeitsverhältnis zu suchen, das individuell zu den eigenen Bedürfnissen passt. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf haben sich im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten verändert. Wo es früher möglich war, sich durch Leistung und über Berufserfahrung für eine höhere Position zu qualifizieren, entscheidet heute ein Bildungsabschluss. Das Bildungsniveau ist grundsätzlich gestiegen. Doch Chancengleichheit ist und bleibt nun einmal illusorisch. Vielmehr sollte die Chancengerechtigkeit Grundlage des Handelns sein. Der Zugang zu Bildung muss gewährleistet sein und es muss eine individuelle Förderung für den Einzelnen und seine Fähigkeiten geben. An oberster Stelle steht für den Arbeitnehmer jedoch nach wie vor, von seiner Hände Arbeit leben zu können. Das gilt sowohl für die Arbeitszeit, als auch für die Zeit danach: die Rente.
Im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel plädiert die CGM an die soziale Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern. Denn soziale Gerechtigkeit beginnt in den Unternehmen, dort wo versucht wird, eine Chancengerechtigkeit zu schaffen. Ganz am Anfang des Weges über die Ausbildung, über Weiterbildung, über Qualifizierung. Sie beginnt dort, wo Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern Thema wird, wo eine Basis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen und in eine betriebliche Altersvorsorge investiert wird. Nach der christlichen Soziallehre, der sich die CGM verpflichtet fühlt, trägt jeder einzelne Verantwortung für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben. Es sind Begriffe wie Personalität, Solidarität und Subsidiarität, die in diesem Zusammenhang ein verantwortungsvolles Miteinander erst möglich machen und im Arbeitsalltag täglich von uns gefordert sind. Jeder einzelne und wir alle zusammen haben es in der Hand, eine Gesellschaft, ein Zusammenleben, ein gutes Miteinander im Kleinen wie im Großen zu gestalten.
CGB-Maiaufruf 2013
Gewerkschaftsrecht ist Menschenrecht
Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit, der Tag der Gewerkschaften und der Tag der Gewerkschaftsbewegung selbst. Selten waren die Zeiten, in denen wir leben, so unsicher wie heute. Auch wenn wir, zumindest in Deutschland, die Auswirkungen der Finanzkrisen in den europäischen Ländern bisher privat kaum bemerken, so spüren wir doch, dass sich unsere Arbeitswelt verändert und weiter entwickelt.
Der Druck der Wirtschaftskrisen lässt uns ahnen, dass die Veränderungen und Entwicklungen nicht unbedingt zum Vorteil der Beschäftigten sein müssen. Es wird vielmehr immer deutlicher, dass die Sanierung der Volkswirtswirtschaften zu Lasten der Beschäftigten geschehen soll. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsbedingungen der Menschen, sondern um alle Lebensumstände bis hin zu Spareinlagen und Altersvorsorge. Es kann aber nicht sein, dass wir, die Beschäftigten, allein die Rechnung begleichen, die uns verfehlte Politik und offensichtliche Misswirtschaft präsentiert haben und die eigentlichen Verantwortlichen so weiter machen, als wäre nichts passiert. Der 1. Mai erinnert uns daran, dass es die Gewerkschaften und vor allem auch die christlichen Gewerkschaften waren und selbstverständlich auch heute noch sind, die für die Rechte der Beschäftigten eintreten. Der Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Willkür und Ungerechtigkeit steht für uns an erster Stelle. Dafür stehen wir, dafür treten wir ein. Es ist unsere wichtigste, aber auch verantwortungsvollste Aufgabe, für alle Beschäftigten angemessene Lebensumstände im Arbeitsleben als auch angemessene Lebensumstände im Alter zu verwirklichen.
Dass Gewerkschaften dies ohne Repressalien tun können, ist längst nicht selbstverständlich. Noch immer gibt es Länder, die - auch mit rigider Gewalt - verhindern, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich zusammenschließen und für ihre Rechte und ihre Lebensumstände eintreten. Menschen, die dies dennoch tun, haben massive Nachteile in ihrem Beruf und riskieren oft genug auch Leben und Gesundheit für ihre Überzeugung. Und weil das in vielen Ländern immer noch so ist, ist das Recht, freie Gewerkschaften zu gründen und sich – auch gegen die Staatsgewalt - für die Arbeitsbedingungen der Menschen einzusetzen, auch ein Menschenrecht. Aber auch hier im demokratischen Deutschland ist das Recht, eine freie und unabhängige Gewerkschaft zu gründen, in Gefahr. Selbstverständlich nicht für Leib und Leben derer, die das tun, aber nach wie vor bedeutet offenes und unerschrockenes Eintreten für den Gewerkschaftsgedanken massive Nachteile im Arbeitsleben. Hinzu kommen die Politik und die Justiz, die neue aber auch alteingesessene Gewerkschaften danach bewerten, ob sie in das so lieb gewonnene Konzept der Einheitsgewerkschaft passen.
Die Politik in Deutschland versucht seit Jahren sich eine überschaubare und kalkulierbar bequeme Gewerkschaftslandschaft zu schaffen, die der Wirtschaft nicht schadet und regelmäßig ohne größere Kollateralschäden die Lohn- und Gehaltsrunden – möglichst für alle Beschäftigten – über die Bühne bringt. Die Justiz unterstützt dies mit dem Dogma der Tarifmächtigkeit, indem für neue, junge oder einfach nur kleinere Gewerkschaften gerichtlich Voraussetzungen geschaffen werden, die auch die großen kaum noch überwinden würden, wenn sie denn jemals überprüft würden. Zum Erhalt dieses Systems wird die Tarifmächtigkeit bei den großen Organisationen lapidar und ungeprüft als unzweifelhaft gegeben vorausgesetzt.
Kleine, aber schlagkräftige Organisationen, die spezifische Interessen vertreten, werden nicht nur misstrauisch beobachtet, sondern gelten plötzlich als die Spalter der Arbeitnehmerbewegung. Dabei bringen diese Gewerkschaften nur ein System durcheinander, dass es sich über die Jahre zu bequem gemacht hat. Und diese Bequemlichkeit bezahlen wir als Gewerkschaften mit einer steigenden Gewerkschaftsmüdigkeit und sinkenden Mitgliederzahlen. Gerade wir als Gewerkschaften dürfen es uns aber nicht zu bequem machen. Toleranz und Pluralismus, Gewerkschaftsfreiheit und Gewerkschaftsrecht sind Teil der Menschenrechte, für die wir eintreten. Der Tag der Arbeit erinnert uns daran, auch gegen den Strom zu schwimmen und auch die Dinge anzugehen, die nicht gerne gesehen werden. Er fordert uns auf, auch die Dinge zu sagen, die nicht gerne gehört werden. Das zu tun, was wir im Sinne der Beschäftigten für richtig halten, ist gelebtes Menschenrecht. Und das lassen wir uns von niemandem streitig machen. Packen wir es gemeinsam an!