DGZ Ausgabe März / April 2012
Titelthema

Tarifrunde 2012 in der Metall und Elektroindustrie
CGM fordert innovative Tariflösungen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Würfel sind gefallen: Wir fordern 6,5 Prozent mehr Entgelt in der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Und wir wollen bei den Verhandlungen darauf achten, dass Work-Life-Balance-Maßnahmen in den Betrieben eingeführt werden, so wie wir es bei unserem Bundesgewerkschaftstag vereinbart hatten.

Die Notwendigkeit, aufgrund der ständig wachsenden Leistungsverdichtung eine „lebenslange Jobfitness“ zu erhalten, wird immer größer. Dies geht nur durch ständigen Kompetenzerwerb und -erhalt einerseits (Stichwort „lebenslanges Lernen“ und „betriebliche Weiterbildung“), andererseits ist aber vor allem auch ein gutes Betriebsklima dafür notwendig. Durch den zunehmenden Leistungsdruck, auch bedingt durch Automatisierungsprozesse, nehmen Burn-Out-Syndrome und andere psychische Erkrankungen ständig zu. Mittlerweile fallen sogar mehr Beschäftigte wegen psychischer Krankheiten aus als wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es wird in Zukunft deshalb immer mehr darum gehen, in Bewegung zu bleiben, ohne die Balance zu verlieren. Die Gesundheit der Arbeitnehmer und ein gutes Betriebsklima sind dabei das A und O. Unternehmen sollten daher verständnisvoll und flexibel auf die unterschiedlichen Lebenssituationen ihrer Mitarbeiter reagieren. Dadurch wird nicht nur das Arbeitsklima erheblich verbessert, sondern auch Krankenstände deutlich minimiert und Fachkräfte angelockt, sodass eine klassische Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer entsteht.

Daneben gilt es, flexible Arbeitszeitmodelle zu entwickeln und aufzunehmen, auch um eine bessere Betreuung von Familienangehörigen sowie eine flexible Regelung zum Eintritt in den Ruhestand zu ermöglichen. Außerdem sollen Auszubildende nach der Ausbildung grundsätzlich unbefristet übernommen werden. Über Ausnahmefälle soll der Betriebsrat entscheiden dürfen. Aber zurück zu den 6,5 Prozent: Wie kommen wir auf diese Zahl? Nun, neben der allgemeinen Preissteigerung, die es zu berücksichtigen gilt, muss bedacht werden, dass die Erwerbstätigen in Deutschland in der ersten Dekade dieses Jahrtausends einen Reallohnverlust von fast drei Prozent hinnehmen  mussten. Die Binnennachfrage wird jedoch nur angekurbelt, wenn die Arbeitnehmer de facto nicht zunehmend weniger in der Tasche haben. Es ist daher endlich an der Zeit, dass wieder mehr vom Gewinn der Firmen auch in der Geldbörse der Mitarbeiter landet!

Monica Wüllner
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit