DGZ Ausgabe Mai / Juni 2013
Titelthema

Soziale Debatte – Eine Frage der Gerechtigkeit

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Henri Matisse war überzeugt: „Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will!“ Eine Hommage an den Optimismus, zu dem es in Deutschland laut einem aktuellen Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auch allen Grund gibt! Deutschland hat sich in der Wirtschafts und Finanzkrise als eines der wirtschaftsstärksten europäischen Länder erwiesen.Das beweisen auch die aktuellen Beschäftigungszahlen.Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist so niedrig wie lange nicht mehr. Die Lebenserwartung war noch nie so hoch, die Umwelt ist so sauber wie seit langem nicht mehr, wir leben seit Jahrzehnten in einem friedlichen Europa. Was für Deutschland gilt, trifft auch auf den Rest der Welt zu. Weltweit haben sich die Lebensverhältnisse verbessert. Das alles kann Anlass zur Freude sein. Vergleichen wir das mit vergangenen Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten, wird offensichtlich: Es ging uns noch nie so gut wie heute!

Die Medienlandschaft vermittelt uns jedoch tagtäglich ein etwas anderes Bild. Es ist die Aufgabe der Presse, uns über die aktuellen Ereignisse, die Missstände aufzuklären und Katastrophen im In- und Ausland zu informieren. Was dabei meistens viel zu kurz kommt, sind die positiven Nachrichten. Deutschland gilt eben nicht nur als das Land der Dichter und Denker, sondern ist auch als Land der Nörgler und Jammerer bekannt.

Entgegen der Auffassung der OECD von einer geringen Arbeitslosenquote und wirtschaftlichen Stabilität in einem wankenden Europa, sieht die Mehrheit der Bundesbürger keinen Grund zur Freude. Wie eine aktuelle Umfrage von TMS Infratest im Auftrag der Zeit belegt, herrscht das Gefühl vor, dass es in Deutschland stetig abwärts geht. Auch die aktuelle Debatte über „Soziale Gerechtigkeit“ bringt die pessimistische Grundstimmung in Deutschland zum Ausdruck.

Natürlich gibt es Missstände, die aktives Handeln und Lösungsansätze erfordern. Die CGM fordert dringend die Einführung einer allgemeinen verbindlichen Lohnuntergrenze. Doch vor allem sind auch die sozialen Leistungen wichtig, wie auch bei der aktuellen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie deutlich wurde. Der CGM ging es nicht allein um eine Entgelterhöhung, sondern vor allem um die sozialen Leistungen: Gesundheitsprävention, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Work-Life-Balance und die Förderung und Ausweitung von Aus- und Weiterbildung. Es ist nicht alles so schlecht, wie es viele Medien vermitteln. Dennoch gibt es viel zu tun und die Gewerkschaften stehen in der Pflicht, sich für die Belange und Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzusetzen.

Carolin Hänßler
Chefredaktion DGZ